5 Rituale, die den Schulalltag erleichtern

Lesen Machen Verhältnisprävention
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Rituale bieten Sicherheit, Orientierung und stärken den Klassenzusammenhalt. Das Ergebnis: Ein positives Wir-Gefühl für Kinder und Pädagogen. Lassen Sie sich von unseren fünf Ideen inspirieren. 

Ruhe und Entspannung stehen derzeit nicht so richtig auf der Agenda in den Klassenzimmern. Eher Regeln, Einschränkungen und die Unsicherheit, wie der Unterricht wohl in zwei Wochen aussieht. Dabei sind feste Abläufe immer wichtig, um den Kindern verlässliche Strukturen zu bieten.  

Rituale, die ein fester Bestandteil im Schulalltag sind, können helfen. Sie lassen sich auch in der aktuellen Situation einfach in den Tagesablauf integrieren. Wir versprechen Ihnen: Sie profitieren davon, wenn Ihre Klasse zwischendurch eine vorhersehbare Abwechslung hat. Und es wird noch genug Zeit bleiben für den Lernstoff, Händewaschen, Lüften und Maske wechseln. Und irgendwann einmal kommen auch wieder "normalere" Zeiten. Auch dann sind Rituale wichtig und richtig. 

Warum helfen feste Strukturen?

Rituale. Das klingt fast ein wenig altmodisch. Ist es aber nicht. Denn solange diese nicht in Zwang ausarten, bereichern sie als Momente der Achtsamkeit das Leben. Geben Halt, Orientierung und gliedern den Tagesablauf.  

Hirnforscher, wie zum Beispiel Prof. Manfred Spitzer, Direktor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Ulm, betonen, dass unser Gehirn immer wieder gleich ablaufende Handlungen benötigt, um optimal zu funktionieren. Denn wenn etwas fest vorgegeben ist, darf das Hirn auf „Autopilot“ umschalten und quasi kurz Pause machen von der ständigen Suche nach Neuem. 

Deshalb helfen simple Routinen im Unterricht so gut: Sie machen den Tag vorhersehbarer und übersichtlicher. Strukturen stärken nicht zuletzt auch das Gemeinschaftsgefühl – und zusammen geht’s doch immer besser. Lassen Sie sich von unseren Tipps inspirieren und picken Sie sich gleich etwas Passendes für die nächste Unterrichtswoche heraus.  

 

Rituale fürs Klassenzimmer

  1. Einstieg: Begrüßung auf Abstand 

Die Kinder legen beim Betreten des Klassenzimmers am Lehrerpult einen Stopp ein, um sich einzeln mit Ihnen (und mit je einer halben Armlänge Abstand) mit dem Ellenbogen zu begrüßen. Sind dann alle am Platz, darf es gern noch ein gemeinsames, schmetterndes “Guten Morgen, Herr/Frau Lehrer*in” sein, dann geht’s los mit dem Unterricht. Sollte sich das Pult im hinteren Teil des Klassenzimmers befinden, können Sie auch am Eingang stehen. 

  1. Umstieg: Eine neue Runde einzählen

Nicht immer ist es wirklich ruhig, wenn Sie den Kindern neuen Unterrichtsstoff erklären möchten. Da hilft ein ritualisierter Einstieg, der sofort klar macht: Bitte aufpassen, hier kommt ein neuer und vor allem wichtiger Lerninhalt.  

Für jüngere Kinder in der 1. und 2. Klasse bietet sich ein klassischer Countdown an, angeleitet von der Lehrkraft:  

  • Sie beginnen bei 5 (Startsignal).  
  • 4: Alle legen Stifte / Radierer / Spitzer / Trinkflasche aus der Hand.  
  • 3: Alle verschränken die Arme vor der Brust, es gibt nichts mehr zu tun.  
  • 2: Jetzt wird nicht mehr gesprochen. Die Lehrkraft ist dran.  
  • 1: Blick nach vorn zur Tafel und zur Lehrkraft, nun gibt es etwas Neues zu lernen.  

Ältere Kinder finden mit einem Klatschrhythmus zur Ruhe. Dabei beginnen Sie mit einem einfachen Rhythmus (ganz egal ob “We will rock you” oder Freestyle), in den alle einfallen, bis alle Aktivitäten beendet sind und nur noch das Klatschen zu hören ist. Dann können Sie mit einem Zeichen das Klatschen beenden und loslegen. Alternativ können drei bis vier Schüler*innen das Beat-Amt übernehmen, die z. B. wöchentlich neu ausgewählt werden. Sie geben diesen Kindern ein Zeichen, wenn Sie Ruhe benötigen, um etwas Neues zu erklären. Idealerweise sitzen die Kids verteilt im Klassenzimmer und leiten somit aus allen Richtungen den Klatsch-Countdown ein. 

  1. Zwischenstopp: Augen schließen, auf Reise gehen 

Als kurze Verschnaufpause nach einer intensiven Unterrichtseinheit mit viel neuem Stoff, nach zwei Stunden Mathe oder als Einleitung der Mittagspause: Eine Meditation ist eine schöne Möglichkeit, um sich kurz zu erden.

Exklusiv für fit4future-Schulen bieten wir in unserem Mitglieder-Bereich eine knapp 10-minütige “Fantasiereise” zum Lieblingsurlaubsort an. Einfach einloggen und den Podcast herunterladen. Wenn nicht ganz so viel Zeit ist, bietet die “Meditation” eine gute Option (knapp 5 Minuten). 

Und wenn es wirklich ganz flott gehen muss, empfehlen wir diese kurze Impulsmeditation: “Schließt die Augen. Atmet tief ein, haltet die Luft kurz an, atmet aus. Wiederholt das noch zweimal. Einatmen, halten, ausatmen. Einatmen, halten, ausatmen. Könnt ihr euren Herzschlag spüren? An welchem Ort, wärt ihr jetzt am liebsten? Findet einen oder mehrere Gründe dafür. [Kurze Pause]. Nun atmet noch einmal tief ein und durch den Mund aus. Und öffnet eure Augen.”

  1. Bewegungspause: Warm bleiben beim Lüften 

Bewegte Pausen sind immer wichtig – ganz gleich, ob der Sportunterricht aufgrund von Corona-Vorschriften eingeschränkt ist oder alles normal läuft. Denn regelmäßige Bewegungseinheiten machen den Kopf frei und fördern die Konzentrationsfähigkeit. Führen Sie diese zum Beispiel als festes Ritual zwischen zwei Schulstunden oder kurz vor der Essenspause ein. Auf dem fit4future-YouTube-Kanal bieten wir eine Vielzahl längerer Sportstunden und kurzer Bewegungspausen, die sich auch mit Abstand umsetzen lassen. Begeben Sie sich zum Beispiel auf Bärenjagd mit fit4future-Headcoach Hendrik. 

Sollte das Klassenzimmer nicht über die entsprechende digitale Ausstattung verfügen, können Sie auch einen bekannten Bewegungssong abspielen und Ihre Klasse dazu tanzen lassen (fit4future Song oder andere – Hauptsache, die Kinder kennen die Choreographie). Parallel dazu am besten die obligatorische Stoßlüftung durchführen, dann müssen kleine Frostbeulen etwas weniger schlottern. 

  1. Adler-Perspektive: Was bewegt euch diese Woche? 

Feedback ist wichtig. Nicht nur, was den Lernerfolg angeht, sondern auch als Einschätzung für die Sie, was die Kids in ihrem Alltag jenseits der Schule bewegt. Als Warm-Up in der ersten Stunde, zum Beispiel zum Wochenanfang oder immer freitags, können Sie  15 Minuten fest reservieren, um über “alles, außer Schule” zu sprechen.  

Den Fragen sind dabei keine Grenzen gesetzt: Haben die Kinder ein Thema in den Nachrichten gehört, das sie nicht verstehen? Gab es am Wochenende ein besonderes Ereignis, über das sie berichten möchten? Oder Sie gestalten dieses Ritual als kurze Impulsrunde mit den Kindern: Jeder darf reihum seinen “Liebling der Woche” vorstellen: einen Witz oder Song, ein Buch oder Spiel. Sollte einmal kein Redebedarf sein oder eher eine kleine Ruhephase gewünscht sein, können Sie Ihrer Klasse auch aus einem Buch vorlesen, jede Woche ein neues Kapitel.  

 

Wir wünschen Ihnen viel Freude und vor allem gutes Gelingen beim Umsetzen Ihrer ganz persönlichen Unterrichtsrituale!

 

 

Bildquelle: iStock.com/RomoloTavani

Wir freuen uns auch über eine ausführliche Rückmeldung per E-Mail an: kids@fit-4-future.de