Besser unterrichten aus dem Home-Office

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Die Schließung der Schulen in Deutschland hatte auch Lehrkräfte kalt erwischt: Quasi übers Wochenende mussten sie von Frontal- zu Fernunterricht wechseln. Und von zu Hause statt im Klassenzimmer unterrichten. Fünf Tipps für die Lehre aus der Distanz.

Wie unterschiedlich die Schulen innerhalb Deutschlands in Sachen Digitalisierung aufgestellt sind, hat Corona aufgedeckt. Nicht nur die Kinder und Eltern, sondern auch Sie als Lehrkraft wurden beinahe über Nacht vor eine gewaltige Aufgabe gestellt, auf die kaum jemand wirklich vorbereitet gewesen ist. Improvisation statt Routine, Unsicherheit statt Autorität: So fühlt sich das Unterrichten plötzlich an.

Für die Fernlehre gibt es keinen allgemein gültigen Fahrplan. Zu unterschiedlich sind die technischen Voraussetzungen, die vorliegen: Manche Kinder in einer Klasse können zu Hause auf das neueste High-Tech-Equipment zurückgreifen, andere haben nicht einmal ein Smartphone zur Verfügung. Manche Eltern haben Zeit, das nötige Talent und auch Spaß am Home-Schooling, andere sind damit komplett überfordert. Manche Lehrkräfte haben schon längst digitale Elemente im Unterricht verwendet, andere bewegen sich im Internet noch wie auf Treibsand.

Allgemeingültige Ratschläge zu geben ist angesichts der unterschiedlichen Rahmenbedingungen schwer bis unmöglich. Doch zumindest diese fünf Tipps können eventuell auch Ihnen das Unterrichten aus dem Home-Office erleichtern.

  1. Ein Lehrerzimmer für daheim. Richten Sie für sich zu Hause – falls noch nicht vorhanden – einen Raum (oder wenigstens eine abgetrennte Arbeitsecke) ein, in dem Sie ungestört vom Rest der Familie den Unterricht vorbereiten können. Alles, was mit Schule zu tun hat, bleibt in diesem Raum – zum einen aus Datenschutz-Gründen, zum anderen, um zu verhindern, dass sich die Arbeit in andere Zimmer ausbreitet, bis Job und Privatleben miteinander verschmolzen sind.
  2. Einen Stundenplan für zu Hause. Strukturieren Sie Ihre Arbeitswoche so detailliert wie möglich – mit festen Zeiten für die digitale Unterrichtsvorbereitung, für das Unterrichten selbst sowie für separate Sprechzeiten für Schülerinnen und Schüler sowie Eltern, unabhängig davon, ob Sie für individuelle Fragen per Mail, Telefon oder Videochat erreichbar sein wollen.
  3. Digitale Disziplin. Bei der Suche nach geeigneten Tutorials, Clips oder Aufgaben in den grenzenlosen Weiten des Netzes oder auf Videoplattformen kann man schnell Zeit und Ziel vergessen. Dann ist der Nachmittag vorbei, doch nur die Hälfte der To-dos sind erledigt. Legen Sie vorab genau fest, was Sie wie lange suchen wollen und stellen Sie sich einen Wecker. Untersuchungen belegen, dass der Mensch konzentrierter arbeitet, wenn er die zur Verfügung stehende Zeit als begrenzt wahrnimmt.
  4.  Ein Arbeitspaket auch für die Eltern. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist die Rolle der Eltern als Ihr Stellvertreter vor Ort. Legen Sie idealerweise jedem Aufgabenpaket für die Schülerinnen und Schüler auch eine „Gebrauchsanweisung“ für die Eltern bei: Mit welchem Beispiel erklärt man die Divisionsregeln am besten? Wie lassen sich PDF-Arbeitsblätter am Bildschirm bearbeiten? Welche Tutorials im Internet empfehlen Sie für welche Themen? Kleiner Nebeneffekt: „Nach Corona“ werden Eltern Ihr pädagogisches Expertentum mit ganz neuen Augen sehen.
  5. Teambildung online. Gemeinsam lernt sich Vieles leichter, weshalb Gruppenarbeit üblicherweise eine willkommene Abwechslung zum Frontalunterricht und wichtiger Bestandteil des Schulalltags ist. Raten Sie aber gerade jüngeren Kindern explizit davon ab, sich mit Freunden zu treffen: Das Coronavirus kennt keine Pausen, es verbreitet sich auch beim gemeinsamen Bearbeiten der Aufgaben oder Lernen zu zweit. Wenn Sie jetzt in Klassen Lernteams bilden, dann besprechen Sie zugleich auch immer, auf welchem Wege die Kommunikation erfolgen soll: per Mail, Telefon, Videochat oder Messangerdiensten?

Der wichtigste Tipp allerdings ist womöglich dieser: Jetzt ist nicht die Zeit für Perfektion, sondern eher für Versuch und Irrtum. Blicken Sie mit mehr Nachsicht auf sich als vielleicht normalerweise. Auch Sie als Lehrkraft müssen derzeit nicht Mr. oder Mrs. Allwissend sein, sondern sind eher – ähnlich wie die Eltern und Kinder auch – als Forschungsreisender in Sachen E-Learning unterwegs. Kommunizieren Sie das möglichst so auch an die Mütter und Väter, Schülerinnen und Schüler: Der Königsweg für den Fernunterricht ist noch nicht gefunden. Konstruktive Vorschläge werden jederzeit gerne entgegengenommen.

Und wie auch ohne Corona gilt: Wertschätzung und Lob sind die wichtigsten Schmiermittel für das tägliche Miteinander – verwenden Sie beides reichlich. Auch sich selbst gegenüber.