Kindliche Neugier - so halten Sie diese am Laufen

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Wieso? Weshalb? Warum? Kinder sind meist kleine Fragezeichen; alles wollen sie sehen, wissen und verstehen. Für Erwachsene kann das mitunter anstrengend sein. Dabei ist es so wichtig, die Neugier der Kinder zu fördern und zu füttern.

Wieso guckt der Mann so traurig? Warum fällt der Mond nicht auf die Erde? Können Regenwürmer schwimmen? Kinder können stundenlang eine Frage an die nächste reihen, mitunter ohne eine Antwort überhaupt abzuwarten. Wie ein Schwamm saugen sie mit unglaublichem Wissensdurst alles auf, was sie sehen, hören, erklärt bekommen. Die Neugier ist gerade im Grundschulalter der Motor, der Kinder antreibt, etwas zu erleben und dadurch zu lernen. Sie ist die wichtigste Antriebskraft für die Entwicklung im Kindesalter.

So wunderschön die kindliche Begeisterungsfähigkeit auch ist, so anstrengend ist sie allerdings oft für Eltern und Pädagogen. In einem eng getakteten (Schul-)Alltag bleibt oft zu wenig Zeit für die Inspektion eines Marienkäfers und für die geduldige Beantwortung immer neuer Fragen. „Jetzt komm endlich“, hört das Kind dann eher. Oder auch Sätze wie „Das musst du noch nicht wissen“ oder „Weil das nun einmal so ist“. 

Dabei wäre es so wichtig, das Kind in seinem Wissensdrang zu unterstützen und zu fördern, um so die angeborene Neugier als Basis fürs Lernen möglichst lange zu erhalten. Doch wie geht das?

  • Machen lassen. Sich nicht vorschnell einzumischen als Elternteil, sondern den kleinen Forscher erst einmal machen zu lassen, ist der allerwichtigste Tipp. Meist greifen Erwachsene zu früh ein aus Sorge, es könnte etwas geschehen. Achtung! Vorsicht! Pass auf! Kinder, die solche Warnungen zu oft hören, werden nicht nur in ihrem Erkundungsdrang gestoppt, sondern lernen auch unbewusst, dass die Welt ein gefährlicher Ort ist.
  • Mit Gegenfragen antworten. Versuchen Sie nicht sofort, jede Kinderfrage zu beantworten. Fragen Sie ab und an auch erst einmal zurück: „Was glaubst Du denn, warum das so ist?“ Das regt das Kind an, aktiv selbst nach Antwortmöglichkeiten zu suchen. Und oft sind die kindlichen Antworten viel spannender als die Wirklichkeit...
  • Nicht überfordern. Wieso brennt das Licht, wenn man auf den Schalter drückt? So eine Frage müssen Sie nicht gleich mit einem Referat über Stromgewinnung und den geschlossenen Kreislauf beantworten. Zu viel Information überfordert jüngere Kinder eher und hält sie vor weiteren Fragen ab. Wenn man auf den Schalter drückt, fließt Strom durch ein Kabel zur Glühbirne: Das reicht meist schon. Falls nicht, wird das Kind sicher weiterfragen.
  • Experimentieren. Viele Fragen lassen sich auch durch ein kleines Experiment beantworten. Das macht mehr Mühe, doch für ein Kind ist eine selbst herausgefundene Lösung sehr viel wertvoller als eine schnelle Antwort. Wenn es also wissen will, ob Regenwürmer schwimmen können: ab in den Wassereimer mit dem Wurm. Aber sicherheitshalber einen Stock bereithalten – denn gute Schwimmer sind Regenwürmer leider nicht...
  • Expeditionen machen. Machen Sie Erkundungsausflüge statt Spaziergänge – mit Lupe, Eimer, Schaufel im Gepäck, aber dafür ohne Ziel. Nehmen Sie sich Zeit für das, was im Gras kriecht oder im Wald wächst. Wenn sich Fragen ergeben, die Sie nicht aus dem Stehgreif beantworten können, dann notieren Sie diese in einem kleinen Block – und versuchen zu Hause gemeinsam mit dem Kind, eine Lösung zu finden.

Schulaufgaben: Auf die Verpackung kommet es an

Als Lehrkraft müssen Sie in Zeiten von Corona darauf vertrauen, dass Ihre Schüler sich zu Hause – inmitten eines Ablenkungs-Dorados von Spielzeug, Elektronik und Geschwistern – selbstmotiviert an ihre Aufgaben setzen und diese abarbeiten. Da hilft es, gezielt Anreize zu setzen, die vor allem die kindliche Neugier wecken. Das bedeutet natürlich mehr Arbeit für Sie als Lehrkraft. Doch das Ergebnis macht diese Mühen durchaus wieder wett. Warum nicht mal anders fragen?

  • Wahlmöglichkeiten schaffen. Versuchen Sie ab und an, dem Kind die Wahl zu lassen zwischen verschiedenen Varianten, wie eine Aufgabe erfüllt werden kann, etwa durch eine Sprachnachricht, ein Experiment oder eine Zeichnung. So hat es nicht nur das gute Gefühl, mitreden zu können, sondern kann auch den Weg wählen, der eher seinen Neigungen entspricht.
  • Storytelling. Kinder sind es gewöhnt, dass Aufgaben zusammenhanglos aneinandergereiht werden: Löse die Aufgaben 1a bis 1e. Doch viel mehr Spaß würde es Ihren Schülern sicher machen, wenn Sie eben diese Aufgaben in eine Geschichte einbinden, bei der etwa ein Held verschiedene Rätsel lösen muss, um an den Schatz zu kommen.
  • Virtueller Escape Room. Andere Variante ist das Modell „Escape Room“. Ziel ist hier, einen Türcode zu knacken. Doch wie kommt man an die benötigten Ziffern? Verstecken Sie in dem virtuellen Raum Aufgaben aus unterschiedlichen Fächern, die womöglich miteinander verknüpft sind – das sorgt für Abwechslung und schenkt auch solchen Schülern Erfolgserlebnisse, die in einem Fach vielleicht nicht so gut sind wie in einem anderen.
  • Teamarbeit. Bilden Sie gerade bei solchen Rätsel-Reisen Kleingruppen, die als Team unterwegs sind und sich beispielsweise per Telefon gegenseitig weiterhelfen können. Neugier ist ansteckend – bei geschickter Gruppenzusammenstellung können Sie so auch weniger motivierte Kinder mit an Bord holen.
  • Explorations-Award. Schaffen Sie generell ein Neugier-Klima in der Klasse – geben Sie beispielsweise die Frage der Woche aus, loben Sie einen Forscher-Oscar aus, lassen Sie eine Wander-Lupe von Kind zu Kind weiterreichen mit der Aufgabe, pro Woche etwas Neues darunter zu legen. Dabei soll es ausnahmsweise einmal nicht um Schulwissen oder Noten gehen, sondern nur darum, Spaß zu haben – und neugierig zu bleiben.