Smarte Regeln für die Corona-Phase

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Wie kann Ihr kleines Familienunternehmen die Corona-Krise möglichst reibungsarm überstehen? Indem Sie sich im Team auf neue Spielregeln einigen. Sechs Schritte für mehr Basisdemokratie im Familienverbund.

In den ersten Tagen der Corona-Krise musste Vieles neu geregelt werden: Wie geht das mit dem Home-Schooling und Home-Office? Wie passen Kinderbetreuung und Produktivität zusammen? Wie kommen Oma und Opa zurecht? Und wie können wir als Familie rund um die Uhr beisammen sein, ohne uns gegenseitig in den Wahnsinn zu treiben?

Damit nicht jeder Tag zu Einzelkämpfen an den einzelnen Fronten führt, ist so etwas wie eine neue Hausordnung erforderlich – ein Plan für das Miteinander, um gerade in diesen herausfordernden Zeiten Reibungsverluste zu vermeiden. Wie aber erstellt man so einen Plan? Sechs Schritte für die Entwickelung neuer Spielregeln:

  1. Familienkonferenz einberufen. Wie im Arbeitsleben auch, startet die „familiäre Betriebsvereinbarung“ mit dem klassischen Kick-Off-Meeting. Am besten nach dem Abendessen, denn da ist der Tag bereits gelaufen, alle sind satt und auf Gemeinsamkeit eingestimmt.
  2. Manöverkritik. Sammeln Sie erst einmal, wo es in den letzten Tagen oder Wochen gehakt hat. Dabei gilt: Es wird noch nicht diskutiert oder nach Lösungen gesucht, sondern es werden nur die einzelnen Krisenherde notiert. Und: Jede Perspektive ist wichtig, unabhängig vom Alter. Ein Motor funktioniert nur gut, wenn jedes noch so kleine Rädchen rund läuft.
  3. Potenzial sehen. Sicher ist in den letzten Tagen auch manches gut gelaufen. Notieren Sie auch das – vielleicht ergeben sich da ja Transfermöglichkeiten für andere Bereiche? Außerdem kassieren die Kinder hier ein Lob, das motiviert sie und die Eltern bekommen Feedback, was die Kinder gut finden.
  4. Brainstorming. Gehen Sie gemeinsam die kritischen Punkte durch und sammeln Sie – möglichst noch ohne Bewertung! – alle Lösungsideen. Wie können die Eltern künftig ungestört Telefonkonferenzen durchführen? Welche Art der Hilfe benötigt welches Kind beim Heimunterricht? Welche Haushaltsaufgaben fallen täglich an und wer übernimmt sie derzeit? Wie viel Zeit darf täglich vor dem Fernseher, Tablet oder Handy verbracht werden?
  5. Debatte und Abstimmung. Jetzt darf diskutiert werden. Arbeiten Sie einen Punkt nach dem anderen ab, anstatt zwischen den Themen zu springen. Auch hier gilt wieder: jeder soll zu Wort kommen und seine Meinung sagen. Oft haben Kinder bessere Lösungsideen als man erwartet. Was wünschen sie sich, um das fehlende Fußballtraining und die Treffen mit Freunden zu kompensieren?  Am Ende wird dann abgestimmt: Woran wollen wir uns künftig alle halten?
  6. Vertragsabschluss. Formulieren Sie gemeinsam die neue Hausordnung, in der die beschlossenen Regeln aufgelistet werden. Hier können Sie zum Beispiel gemeinsam ein Plakat basteln, dass dann in der Wohnung aufgehängt wird. Integrieren Sie zudem ein Belohnungssystem – etwa Sternchen, die bei Einhaltung der Regel täglich vergeben werden und am Wochenende eingelöst werden können in kleine Boni (Wunschessen, Auswahl des Spiels, Film am Wochenende, etc.). Mit der Unterschrift besiegeln alle Familienmitglieder das Versprechen, sich an die Regeln zu halten.

All das klingt nach viel Basisdemokratie, Aufwand und engem Korsett. Und sicher wäre es einfacher, wenn die Befehlsgewalt bei den Eltern bleibt und die Kinder sich einfügen. Wer sich allerdings täglich neue Diskussionen, Trotzreaktionen oder gar eine Rebellion im Unterhaus ersparen will, fährt mit einem gemeinsam erarbeiteten Regelwerk besser. Die Kooperationsbeteiligung der Kinderfraktion ist dabei höher, wenn sie das Gefühl haben, dass sie ernst genommen wird und sich auch in einigen Knackpunkten durchsetzen konnte. Und wenn alle verstanden haben, warum es bei manchen Themen (beispielsweise ungestörte Arbeitszeit der Eltern, begrenzte Fernsehzeiten) eher wenig Verhandlungsspielraum gibt.

Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie ein Ziel formulieren, auf das alle Beteiligten gemeinsam hinarbeiten. Schreiben Sie das am besten wie ein Motto über die fixierten Vereinbarungen. Wie wäre es mit „Die Corona-Krise meistern – mit Spaß und im Team“?