„Wer immer sein Bestes gibt, hat gewonnen!“

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Rico Freimuth, ehemaliger Zehnkämpfer, weiß, wie man mit Aufregung, Stress und großen Vorbildern umgeht und wie man sich motiviert, wenn es mal nicht so läuft wie geplant.

Freimuth kommt aus einer Leichtathleten-Familie: Sowohl Vater als auch Onkel verzeichneten Anfang der 80er Jahre große sportliche Erfolge. Nicht immer einfach, da seinen Platz zu finden, sportlich wie mental. Auch der Leistungssport an sich verlangt körperlich wie geistig Enormes von einem Athleten. Er selbst zählte 15 Jahre lang zur Elite Deutschlands in seiner Disziplin: Bronze bei der WM 2015, Vize-Weltmeister 2017, zwei Olympia-Teilnahmen mit einem sechsten Rang als bester Deutscher 2012. Mehrere Verletzungen haben den Sportsoldaten nicht von seinem Weg abbringen lassen, immer wieder kehrte er zurück. Im Oktober 2020 beendete der gebürtige Potsdamer dennoch seine aktive Karriere.

Wer, wenn nicht er, weiß besser, wie man sich motiviert. Wie man wieder aufsteht und weitermacht. Immer ein Ziel vor Augen.  

Im Gespräch mit fit4future hält unser fit4future-Botschafter aus Sachsen-Anhalt ein paar Tipps bereit, damit Kids motiviert, entspannt und nachhaltig gut durch den Schulalltag kommen. Denn was im Sport gut funktioniert, ist auch bei Prüfungsangst oder Stress beim Lernen bestens nutzbar. Freimuth berichtet auch, wie Kinder mit „großen Fußstapfen“, also mit Vergleichen gut umgehen können, ob das nun die der Eltern, der Geschwister oder der besten Freunde sind. 

fit4future: Rico, auch Du warst sicher aufgeregt vor Deinen Wettkämpfen. Hast Du einen guten Tipp gegen das Bauchkribbeln?

Rico Freimuth: Aufregung vor einer wichtigen Prüfung in der Schule oder einem wichtigen Wettkampf ist gut und wird immer Teil dieser besonderen Lebenssituation sein. Aufgeregt zu sein ist aber gut, denn sie stärkt den Fokus auf das Wesentliche. Mein Tipp: Lass‘ dich nicht ablenken, konzentriere dich auf das, was Du gelernt hast, was Du zeigen möchtest und visualisiere das Ziel, das du erreichen möchtest. Ob Medaille oder eine gute Prüfung – das Ergebnis wird dein Erfolg sein.

fit4future: Nach einer körperlich und geistig so anstrengenden Sportart wir dem Zehnkampf ist es dich sicher oft schwergefallen, wieder auf „normal“ herunterzufahren. Auch Kinder im Grundschulalter haben Stress schon kennengelernt, schulisch oder zwischenmenschlich. Wie findest Du gut zur Ruhe?

Rico Freimuth: Das ist tatsächlich nicht einfach. Mir tut es immer sehr gut, wenn ich nach Hause gehe und mich meinen Hobbys widme – ich spiele zum Beispiel sehr gerne Schach. So kann ich auch gut alltäglichen Stress vergessen und besser damit umgehen. Ein Hobby zu haben, das man gern ausübt, ist wie eine Oase der Ruhe und damit ein wichtiger Bestandteil zur Stressbewältigung.

fit4future: Was tust Du, wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht?

Rico Freimuth: In meinem Leben als Leistungssportler habe ich erlebt, dass die meisten Trainingseinheiten nicht so liefen wie ich das gerne wollte. ABER: ich habe trotzdem immer mein Bestes gegeben. Und genau darum geht es auch. Ich habe nie einen ersten Platz erreicht, aber ich war so gut, wie ich konnte. Und wer immer sein Bestes gibt, der hat schon gewonnen! Für sich selbst.

fit4future: Ob Kind oder Erwachsener, an manchen Tagen fehlt einfach die Lust. Aufs Lernen, Sporteln, sich Aufraffen. Wie motivierst Du Dich, wenn der innere Schweinehund sehr laut ist?

Rico Freimuth: Das kenne ich sehr gut, ist ja menschlich 😊. Wichtig ist, das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Was motiviert Dich, was willst Du erreichen? Eine gute Note im Zeugnis, in der nächsten Prüfung? Willst du in einer Sportart weiterkommen, beim nächsten Tennis-Turnier siegen, die Choreografie bis zur Weihnachtsfeier tanzen können? Das ist ein Weg und dieser ist nicht jeden Tag gleich leicht. Es wird immer Tage geben, die keinen Spaß machen. Dann hilft es, dein Ziel zu visualisieren, es dir richtig gut vorzustellen. Und Dich dann durchbeißen. Auch das motiviert wieder, denn am Ende kannst du stolz sagen: Es war anstrengend, aber DAFÜR hat es sich gelohnt. 

fit4future: Als Zehnkämpfer hattest du 10 Disziplinen, die Du so gut wie möglich erfüllen musstest. Das lässt sich mit der Schule vergleichen: Viele Fächer, eigentlich möchte man in jedem Fach eine gute Note haben. Aber man kann eben nicht überall gleich gut sein. Wie bist Du damit umgegangen, als Du noch im Leistungssport aktiv warst?

Rico Freimuth: Nicht jede Disziplin oder jedes Fach liegt einem Gleich gut. Aber das heißt ja nicht, dass man es nicht versuchen kann ;-). Das hat mir immer geholfen und mich auch motiviert.

fit4future: „Große Fußstapfen“. Du kommst aus einer Leichtathleten-Familie – das legt natürlich nahe, dass viel verglichen wurde oder man sich messen möchte. Wie bist Du damit umgegangen? Wie können Kids mit Leistungsdruck von innen und außen besser umgehen– insbesondere dann, wenn sie sich mit dem/der besten Freund*in im Wettstreit befinden, sei es bei Noten oder im Sport.   

Rico Freimuth: Tatsächlich war das für mich lange ein Problem. Als ich mich endgültig von den Vergleichen mit meinem Vater lösen konnte, holte ich meine erste Medaille, 2015 bei der WM in Peking. Was ich daraus gelernt habe ist: Irgendwann muss jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen.

Rico, vielen Dank für dieses tolle Gespräch! Unsere fit4future-Kids werden sicher viele gute Ideen daraus für ihren (Schul-) Alltag mitnehmen. 

Wir freuen uns auch über eine ausführliche Rückmeldung per E-Mail an: kids@fit-4-future.de